Ihr Garten ist kein Exerzierplatz. Etwas mehr Balance bitte!

Warum quadratische Formen nicht immer die richtige Wahl sind.

JJedes Design hat seinen Platz in dieser Welt. Ganz ernsthaft, ich glaube an die Richtigkeit dieser Behauptung. Ein Beispiel: Ich persönlich mag keine Designs, die auf Schädeln und Knochen basieren, sagen wir, das typische schwarz-silberne Motorradfahrer-T-Shirt mit einem dieser schreienden fleischlosen menschlichen Köpfe.

Ok, aber was ist dann mit der ‚Easy Rider‘-Version? Ist das gut oder schlecht? Nun, um ehrlich zu sein – ernsthaft cool! Oder eine barocke Kirchendekoration; die können voller Totenköpfe sein, z.B. aus Italien, Österreich oder Deutschland, 17. und 18. Jahrhundert? Schlecht oder gut? Nun, ernsthaft? Sehr oft, sehr witzig, kunstvoll, faszinierend – und sobald man das ganze Dekorationsprogramm verstanden hat, kann es überwältigend kompliziert und einfach interessant sein, darüber nachzudenken. Man sieht es mit anderen Augen, wenn man mehr darüber weiß.

Das Schwierige an gutem oder schlechtem Design – oder um präziser und weniger fundamental zu wirken – „angemessenem“ und „nicht angemessenem“ Design ist zu wissen, warum etwas zu einer bestimmten Zeit an seinem Ort passt, wann und wo es seinen spezifischen Grad an Originalität erreicht, warum genau es ein eher „hohes“ oder „niedriges“ Designniveau erreicht, und wo es die „richtigen“ Anleihen bei den „richtigen“ Quellen macht.

Ist es z.B. ein gutes visuelles „Zitat“, wenn wir Formschnitt entlang der Straße sehen? Oder auf einem kleinen Dorfplatz? Warum verbringt man Zeit und Geld damit, Oleander, Euonymus, Elaeagnus und was nicht alles, in Quadrate, Hecken und Bälle zwischen zwei Straßen oder in einer Industriezone zu schneiden? Ist das gutes oder schlechtes Design? Ich persönlich würde mich für „sehr schlechtes Design“ entscheiden, oder sogar für „kein Design“.

So sehr ich an „angepasst“ oder „unpassend“ glaube, glaube ich auch an „zeitgemäß“ oder „unzeitgemäß“, im Sinne von „unangemessen“.

Ich bewundere Formschnitt und Wolkenschnitt (’niwaki‘) – wo immer er angebracht ist. Ich bewundere ihn in Versailles und in jedem italienischen Renaissance- oder Barockgarten. Formschnitt ist perfekt für zwei kleine quadratische Pflanzgefäße, schwarz lackiert vor einem Juweliergeschäft auf dem Kurfürstendamm, für Sotheby’s in London’s Old Bond Street – ok, dann vielleicht eher in dunkelgrün, für Hampton Court (wieder grün, aber heller) – aber auf einem kleinen Dorfplatz in Südfrankreich? Direkt auf dem Asphalt? Oder vor einem alten Haus aus groben Natursteinen? Es ist, als wären Salz und Essig irgendwie nicht in der richtigen Balance. Es ist wie Zucker dem Honig hinzuzufügen.

Wir alle kennen den lateinischen Satz „de gustibus non est disputandum“ und wir sind nie sicher, ob es nicht „de gustibus est disputandum“ sein sollte. Wir alle denken, dass wir tolerant sind, wenn es um Geschmack geht, und wir alle haben Momente, in denen wir denken: „Nun, das ist eine gute Sache, nicht wahr?“. Woher wissen wir das? Und ist es überhaupt in Ordnung, „guter Geschmack“ oder „schlechter Geschmack“ zu sagen?

Manchmal ist es der Kontrast, durch den eine eigentlich alberne Kombination funktioniert. In anderen Fällen ist es das perfekte Amalgam aus zwei Dingen, die noch nie zuvor kombiniert wurden. Und dann wieder, ist es manchmal einfach nur die Zeit, die vergehen musste, damit wir uns an etwas Eigenartiges gewöhnen konnten.

In diesen Zeiten, die uns mit einer Tatsache in Atem halten, nämlich, dass nichts mehr sicher ist und sich alles ändert und von nun an sich ständig und immer schneller ändern wird, in dieser Zeit gibt es wenigstens eine Gewissheit, wenn es um guten oder schlechten Geschmack geht: wir können selbst versuchen, Veränderungen umzusetzen.

Unsere Definition davon, was wir für guten oder schlechten Geschmack halten, wird sich mit unserem Alter ändern, sie hängt ab von unserer Kultur und wird davon abhängen, wo wir leben und was wir gelernt haben, was wir gesehen haben und wohin wir gereist sind.

Aber wir können andere inspirieren, uns inspirieren lassen und das Konzert der vielen Unangemessenheiten ergänzen, und selbst vielleicht ein wenig Balance hinzufügen.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich mag ja beschnittene Sträucher, genauso wie ich Formschnitt mag. Ich mag es, wenn öffentliche Plätze und private Gärten sauber und ordentlich sind.

Aber alles, was den Namen Strauch hat, mit einer Heckenschere zu schneiden, und so für eine immer dichter werdende äußere Blätterschicht zu sorgen, was die Pflanzen dazu zwingt, immer kleinere Blätter zu entwickeln; sie nur zu Quadraten oder Kugeln zu schneiden, ist nicht nur entsetzlich langweilig und erinnert mich an die Haarschnitte in Militärakademien, wie Westpoint oder Sandhurst. Mit diesem Vorgehen versucht man auch schlicht, Verschiedenes über einen Kamm zu scheren.

Es sieht dann immer so aus, als hätte jemand das Richtige getan und eben aufgeräumt, sauber gemacht. Aber es ist oberflächlich und falsch. Das Innere der Pflanze wird nie aufgeräumt, kein totes Holz wird jemals beseitigt und Tiere und Insekten gelangen nicht in die Büsche, weil ihre Außenhaut als steife und undurchlässige Schicht ausgebildet ist. Aber: Ihr Garten ist eben kein Exerzierplatz!

OK. Beginnen wir damit, nicht jeden Strauch, der unter unserer Kontrolle steht, als Hecke zu behandeln. Es hat keinen Sinn, Oleander wie Hecken zu beschneiden, und es ist sinnlos, sie in Quadrate zu schneiden; das funktioniert einfach nicht!

Lasst uns anfangen, die richtigen Schnitttechniken anzuwenden, damit Insekten, Vögel und andere natürliche Freunde die Sträucher besuchen können. Lasst uns unseren Pflanzenbeschnitt der natürlichen Wachstumsgewohnheit der Pflanze anpassen.

Wir können ja Sträuchern die Formen geben, die wir schön finden, aber warum müssen wir sie zu steifen Bällen und harten Quadraten und Hecken ausbilden? Warum sollte man sie so trainieren, dass sie vollkommen undurchdringliche Außenseiten haben? Warum formt man sie nicht etwas weicher, mit ein wenig mehr Verständnis dafür, wie die individuelle Pflanze wächst?

Gärtner, Hausbesitzer, Bürgermeister – Pflanzenbeschneider – südfranzösischer Dörfer, habt Gnade. Überordentlich geschnittene Sträucher und Hecken brauchen einen passenden Lebensraum, um angemessen zu wirken – ein stattliches Haus, eine klassische oder zeitgenössische Villa, oder gar ein Herrenhaus. Also, wenn Sie ultimative Perfektion mit geradezu militärisch beschnittenen Sträuchern lieben, wenn Sie Hecken all über all lieben, dann muss es bitte auch Versailles sein!

In allen anderen Fällen, etwas mehr Balance bitte.