Frühjahrsputz. Im Garten!

Wer jetzt seine Pflanzen beschneidet, hat im Sommer einen schönen Garten

DDer Winter an der Côte d’Azur, der noch vor hundert Jahren die Schönen und Reichen aus London, Berlin und Paris in Scharen anzog, lockt mit vielen heiteren Tagen und Temperaturen, die meist zwischen 12 und 16 Grad liegen. An windstillen sonnigen Tagen kommt man beim Stadtbummel auf der Rue d’Antibes in Cannes schon mal ins Schwitzen, beim déjeuner draußen holt man sich ein bisschen Farbe ins Gesicht und im Garten des geliebten Ferienhauses wächst alles wie verrückt. Und hier haben wir auch direkt das Problem, das in Wirklichkeit aber keins ist, wie wir später noch feststellen werden.

Es muss geschnitten werden! Aufgeräumt! Frisiert! Abgeschnippelt! In Form gebracht!

Warum denn jetzt? Das mag sich manch einer fragen, der in Hamburg, Berlin oder München frustriert aus dem Fenster guckt, denn dort ist es 10° kälter als hier. Und da wächst gerade rein gar nichts. Und wenn man dann nicht zufällig ein paar wunderbare Tage hier im Süden verbringt, denkt man vielleicht nicht, dass hier jetzt Hochsaison ist – für den Garten. Und deshalb legen wir jetzt einfach mal los:

Palmen können jetzt aufgeräumt und beschnitten werden. Zum Beispiel: die einzige hier (wirklich) heimische Palme, die Zwergpalme (Chamaerops humilis), hat jetzt dicke, traubenförmige Fruchtstände, die je nach Reifegrad orange bis kastanienbraun glänzen. Diese reifen Früchte müssen abgeschnitten werden, denn wenn sie erst einmal aufgeplatzt am Boden liegen, werden Sie bald Hunderte von Palmensprößlingen im Garten haben, die so tief wurzeln, dass man sie kaum von Hand herausbekommt. Außerdem müssen die Chamaerops von unten und von innen her aufgeräumt werden; hässliche Blätter und zu viel Bast, überflüssige Triebe am Boden, das muss alles sorgfältig nah am Stamm abgeschnitten und die Pflanze wieder in Form gebracht werden. Gleichzeitig muss sorgfältig kontrolliert werden, ob die Palme von Schädlingen befallen ist. Wenn Sie relativ weit oben am Stamm oder direkt in der Krone so etwas wie ein harziges, braunes „Nest“ sehen, als wären die Palmenfasern verklebt, dann sind das Anzeichen für einen Paysandisia-Befall. Der orangefarbene Falter liebt Palmen und ist mit Schuld daran, dass an der Cote d’Azur die Palmen sterben.

Für sehr viele Gehölze – also Bäume und Büsche – ist nun die Zeit für einen Verjüngungsschnitt. Was ist das? Dieser Schnitt, im Gegensatz zum reinen Formschnitt im Sommer, dient einer Beschleunigung des vegetativen Wachstums der Pflanzen im Frühjahr und fördert deren Gesundheit enorm. Es wird dabei nicht nur nach einer besonders schönen Form gestrebt, sondern die Pflanze wird von innen her regelrecht aufgeräumt: Zweige, die falsch wachsen und sich mit anderen überlagern („criss-cross Wachstum“), Totholz und auch einfach „zuviel“ Material wird auf die richtige Weise herausgenommen. Die Pflanze muss atmen können und luftig sein, dann ist sie auch weniger anfällig für Krankheiten, insbesondere für Pilze und Schimmel; die Sonne erreicht wieder das Innere der Pflanze und den Boden und Vögel und Insekten bekommen wieder Platz, sich zu tummeln.

Zu den besonders typischen Bäumen der Riviera zählen Oliven und Zitrusbäume wie Mandarinen, Bitterorangen und Zitronen. Jetzt ist gerade Erntezeit – eine wahre Freude für die wenigen, die noch selber Oliven einlegen oder köstliche Bitterorangenmarmelade kochen. Doch je nach Standort geht diese Zeit jetzt schon wieder langsam zu Ende und das ist dann genau der Moment, wo Oliven und Zitrusbäume beschnitten werden müssen. Beides sind Obstbäume und für beide gilt: bei Obstbaumschnitt muss der Baum von innen her geöffnet und sorgfältig beschnitten werden. Gerade Zitrusbäume sind oft innen ein einziger Wust von kleinen Zweigen und Unmengen von Blättern, Totholz und faulen Früchten, diese Bäume lieben es einfach zu verwuchern. Aber das tut ihnen überhaupt nicht gut und deshalb muss man ihnen dabei helfen, gesund zu bleiben. Oft bleiben unter Zitrusbäumen auch die Früchte liegen, Pilze und Sporen gehen dann in den Boden, der dann, voll mit schädlichen Stoffen, diese wieder an den Baum zurück gibt. Wenn Sie an Ihrem Mandarinen- oder Bitterorangenbaum krisselige, eingerollte Blätter sehen oder wenn diese gelb sind: das ist nicht normal, sondern Anzeichen für Nährstoffmangel, Krankheiten, einen falschen Standort oder Wasserprobleme, die hier zumeist auf die Bodenzusammensetzung zurückgehen.

Jetzt noch ein Wort zur Auswahl der Werkzeuge: Sie haben vielleicht schon die Erfahrung gemacht, dass die meisten Gärtner in der Region schlichtweg ALLES mit der Kettensäge oder der automatischen Heckenschere rasieren. Vielleicht denken viele von Ihnen auch, dass das ganz normal und pflanzengerecht ist. Nein, das ist es leider nicht! Natürlich kann man eine Koniferenhecke mit der Maschine schneiden, aber doch nicht Oliven, empfindliche Zitrusbäume oder gar Oleander! Der ist restlos kaputt hinterher und das sieht man auch. Dasselbe gilt auch für Pittosporum, Lorbeer, Viburnum, Elaeagnus und viele andere eher weichblättrige Gehölze. Wenn die mit der Heckenschere geschnitten werden, sieht es aus, als wäre der Mähdrescher drübergefahren! Das Gehölz ist meist zerfetzt und eher abgerissen als scharf abgetrennt, die Blätter werden durchtrennt, was garnicht geschehen sollte. Krankheitserreger dringen so fix in die Pflanze ein und Ihr Gärtner hat mehr und mehr zu tun, ohne dass Ihr Garten dabei schöner wird. Das kann man nicht wirklich wollen. Man kann und sollte diese Pflanzen von Hand schneiden, und das dauert, wenn’s richtig gemacht wird, auch nicht unbedingt länger, als vielfache Schnitte mit der Heckenschere. Dafür gibt es ja gute, professionelle Gartenscheren – von der kleinen Rosenschere bis zur riesigen Astschere. Diese Werkzeuge funktionieren prächtig und machen Sinn, für die Gesundheit und die Schönheit Ihrer Pflanzen. Ihre Büsche und Bäume werden nicht so stark verletzt, wachsen schöner, erholen sich schnell vom Beschnitt und sehen dann „in der Saison“ einfach bildschön aus. Und wenn man es richtig macht, reicht das auch, nur ein bis zweimal im Jahr zu schneiden.