> Gartendesign – der Schlüssel zum Privatparadies

Rock my garden!

Der leicht in die Jahre gekommene Rockstar, wir nennen ihn der Einfachheit halber hier James, obwohl dies nicht sein Name ist, teilt mir in einem ruhigen Moment seines Lebens mit, dass er sich einen Garten wünscht.

Er sei prinzipiell eigentlich schon immer ein Fan von Gärten gewesen – kein Wunder, als Engländer! – aber sein bewegtes Leben als Bühnenmensch hat ihm bisher nicht die Zeit und den Raum gegeben, diese Neigung zu vertiefen. Doch dies sei nicht das eigentliche Problem.

Er mag Pflanzen, aber nicht in der Anordnung, die seine Tante Jane in ihrem Garten liebt, üppige Rabatten in allen Farben, sehr viel Rosa und Gelb, eben diesen Hauch von Zuckerguss, der über allem liegt. Dies sei nun mal einfach nicht seine Welt, obgleich er Aunt Jane aufrichtig verehre.

Ob wir ihm nicht einen Garten machen könne, der „rockt“ und in dem er sich repräsentiert und heimisch fühlt. Ich antworte ihm ohne zu zögern, dass dies machbar sei. Wie ich mir da denn so sicher sein könne, will er nun wissen. Ich antworte ihm, dass es für jeden Menschen den richtigen Garten gebe und dass ein Garten so individuell sein kann und sollte wie ein Paar maßgefertigter Schuhe. Aber ich muss mehr aus seinem Leben erfahren, um „seinen“ Garten zu planen. Er nickt und beginnt zu erzählen…

Ein paar Wochen, viele Überlegungen und Skizzen später stelle ich ihm unseren ersten Entwurf vor.

„Sieh mal, das hier sehen wir als den Anfang deiner Karriere; wir haben hier eine Menge Steine und diese einfachen Steingartenpflanzen dazwischen symbolisieren deine frühen Auftritte, als du noch vor 50 Leuten gespielt hast, du siehst nach hinten hin werden sie schon etwas größer. Dann gehen wir hier um eine Ecke und betreten einen neuen Bereich, du bist noch jung, aber schon erfolgreich, alle reißen sich um dich.

Diese Zeit ist aufregend; wir haben steil aufschießende Pflanzen in heißen Farben mit flammenden und exotischen Blättern, alles ist üppig und neu, es ist sehr dschungelig hier, in diesem Teil des Gartens hat man das Gefühl, dass hier alles wachsen könnte, außerdem gibt es hier noch dieses kleine Wasserspiel, das mit seinem Sprühen und Plätschern den Überfluss der Szene abrundet. Wenn du dich daran erinnern willst, wie schön alles in den Anfängen war, besuche diesen Teil deines Gartens.

Nun gelangen wir in eine ruhige, aber schön geschwungene Zone, die nur grün bepflanzt ist, die Dinge laufen einfach gut und alles ist im Fluss. Wiederum schlagen wir einen Bogen und kommen zu einem Hügel (der vorher nicht da war, den wir aber anlegen), der für deinen ganz großen Erfolg in deinen mittleren Jahren steht.

Damit du dich daran erinnerst, dass der Aufstieg nicht leicht war und dir nichts geschenkt wurde, haben wir diese schmalen Holztreppen im Hügel angelegt. Die Pflanzen links und rechts der Treppen werden allmählich größer, teurer und exotischer. Wenn du alle Treppen nach oben gestiegen bist, wirst du vielleicht außer Atem sein, du weißt, auf dem Gipfel ist die Luft dünn.

Oben steht ein Baum, er blüht und trägt Früchte, aber im Herbst wirft er seine Blätter ab und erinnert dich daran, dass keine Idee und kein Werk von alleine passieren sondern immer wieder neu erarbeitet werden müssen. Oben bleiben ist so viel schwerer als nach oben kommen. Aber du hast deinen Erfolg selbst erarbeitet, deshalb haben wir unter dem Baum eine Bank gebaut. Ruh‘ dich aus und genieße einfach mal den Moment.

Wir steigen hinab von diesem Hügel und gelangen in eine dunkle Ecke, die aber dennoch sehr attraktiv ist, du siehst hier diesen wunderbaren dunklen Teich, umstanden von dunklen, aber sehr attraktiven Pflanzen. Dein Spiegelbild in dem klaren Wasser erinnert dich an die Gefahren des Narzissmus im Showbiz und die dunklen Pflanzen stehen für deine Ängste und Befürchtungen. Sie stehen an diesem bestimmten Platz, weil man sie nicht ignorieren kann, aber man muss sie auch nicht überall hin mitnehmen.

Der letzte Teil ist beinahe der Schönste: es ist dein Obstgarten, seine Früchte stehen für das was du erwirtschaftet hast. Du wirst jetzt älter, aber du hast eine spannende Karriere, auf die du zurückblicken kannst und darfst jetzt einfach mal genießen. Das alles ist deine Welt hier, sie gehört dir und du kannst sie verändern und benutzen, ganz allein wie du es willst. Wenn dir noch etwas wichtiges fehlt, bauen wir es ein. Ist es in etwa das, was du dir vorgestellt hast?“

Und da war das Gesicht, das ich sehen wollte: Ein Mensch, der sich respektiert und verstanden fühlte und der sich auf ein neues Projekt im Leben freute.

 

Endlich Ruhe. Entdecke den Japaner in dir.

Herr K. ist ein beruflich äußerst eingespannter Mensch und er hat uns im Vorfeld zu verstehen gegeben, dass unsere Gesprächszeit leider ein wenig limitiert ist. Dennoch verläuft unsere Unterhaltung alles andere als unfreundlich, auch wir wollen ja schließlich zu einem fassbaren Ergebnis gelangen.

„Mein beruflicher Alltag ist, leider Gottes, durch ein Gefühl ständigen Hochdrucks bestimmt.

Mein Leben besteht aus Entscheidungen, die ich manchmal im Minutentakt fällen muss. Jeden Tag treten Menschen an mich heran und ich muss Lösungen finden, vermitteln, Strategien entwerfen, das Gestern analysieren, das Morgen planen und das Heute im Griff haben. Es schwirrt geradezu, es ist ein unablässiger Strom von Ereignissen, der niemals aufhört. Würde man es in einem Bild darstellen, so ist es, als würden tausende Papierflieger ständig auf meinen Kopf abgefeuert. Ich suche einen Gegenpol zu meinem Leben“, erklärt er. „Ich brauche eine Ruhezone, die mir allein gehört, wo nicht permanent andere Menschen herumlaufen. Kriegen Sie das hin?“

Perfekt vorbereitet, übergibt er uns einen Grundstücksplan und bittet uns, etwas wirklich Besonderes zu entwerfen.

„Wir tun, was wir können.“

Wir haben für Herrn K. einen japanischen Garten entworfen. Weder gibt es viele bunte Blumen noch eine Vielzahl verschiedenster Einzelpflanzen, denn dies würde ihn nur an seinen Alltag mit den vielen Einzelereignissen erinnern. Wir haben uns jedoch entschlossen, uns nicht puristisch an einen der verschiedenen japanischen Gartenstile zu klammern, sondern aus verschiedenen Epochen und Stilen diejenigen Elemente miteinander zu kombinieren, die für die Wirkung des Gartens besonders hilfreich sein könnten und die unserem Kunden gefallen könnten.

Herr K. hat ein großes Grundstück. Deshalb müssen wir uns nicht künstlich begrenzen. Als Grundprinzip gehen wir vom japanischen Wandelgarten aus. Wir überlegen uns die Lage der Teiche, planen die Größe der Inselchen in den Teichen und versuchen uns die besten Plätze für die Brücken zu den Inseln vorzustellen.

Wir entwerfen großzügige Wellen und Hügel, in Form gehalten von geschwungenen, sehr hellen Kieswegen. Da wir nicht möchten, dass die Ruhe von Herrn K. durch lästige Rasenmäher gestört wird, beschließen wir eine Bepflanzung mit „no mow grass“, in diesem Fall greifen wir zu Zoysia tenuifolia, ein langsam wachsendes Gras, das (ungemäht) ein sanft fließendes Grasmeer entstehen lässt. Eine Erholung für die Augen und dabei äußerst pflegeleicht.

Wir wählen wenige, jedoch dafür sehr sprechende Pflanzen aus, die sich durch einen markanten Wuchs auszeichnen. Wir entscheiden uns für Bergkiefern und Mädchenkiefern sowie für die in irregulärer Pyramidenform wachsende Pinus densiflora ‚Oculus-draconis‘, die japanische Drachenaugen-Kiefer.

Wir kombinieren (klassisch japanisch) Kiefern und Pflaumenbäume, da sie für den Augenblick und die Unendlichkeit stehen, wir suchen die schattigsten Stellen, um Moose geschickt um Steine wachsen zu lassen, definieren streng begrenzte Areale für Bambus und platzieren bewusst einige wenige Rhododendren, alle im selben tiefen Pinkton.

Wir besorgen einen japanischen Holzrechen um großzügige helle Sandmeere zu rechen, eine Aufgabe, die nicht für uns gedacht ist, sondern der Entspannung des Hausherrn dienen soll. Steinlaternen runden das wunderbar ruhige Bild ab.

Ein Teehaus muss man sich im Garten erwandern, es ist nicht sofort sichtbar. Der Tradition folgend, kann man nicht einfach so hineingehen, sondern betritt es durch ein Tor, um die eine Welt hinter sich zu lassen und die andere zu betreten.

Der schönste Teil ist jedoch der Koi-Teich, am Ufer ein Fächerahorn, der im Herbst glutrote Blätter bekommt, bevor sie eines nach dem anderen abfallen, eine kurze Zeit auf der Oberfläche des Sees verweilen, bevor sie vergehen. Man kann nichts festhalten, aber den Moment bewusst wahrnehmen. Eine große Naturlandschaft, allerdings im Gartenformat. Ein Ort tiefer Ruhe und vollkommenen Friedens.

Wir präsentieren. Herr K. lächelt beim Anblick der Pläne. Es gefällt ihm alles sehr, sehr gut. Er wird sich in der Zukunft mehr Zeit für sich selbst nehmen. Zeit in seiner eigenen Landschaft verbringen, deren Strukturiertheit und Ruhe das Gegengewicht zu seiner Berufswelt bilden. Zum Schluss verrät er, und da wird sein Lächeln geradezu schelmisch, er habe sich sogar einen Yukata gekauft.

Der inspirierende Garten bedeutet einen Zugewinn an Lebensqualität

Diese zwei Beispiele zeigen, dass Gartendesign wirklich sehr viel mehr bedeutet, als aus einer limitierten Auswahl von Pflanzen sich ständig wiederholende Kombinationen herzustellen. Der gute Garten kann ein begehbares, erlebbares Kunstwerk sein, das im Laufe der Zeit immer nur schöner wird und, bei richtiger Pflege, immens an Wert gewinnt.

Ein solcher Garten kann eine Villa zu einem einzigartigen Besitz von hohem materiellen wie auch persönlichem Wert werden lassen. Und für die Besitzer ist ein gänzlich auf ihre Bedürfnisse zugeschnittener Ort, gleichgültig ob sie selbst für Wochen, Monate oder ganzjährig darin leben, ein Refugium, das exquisite Erholung und Lebensqualität in höchstem Maße bereit stellt.