Palmenmotte und Palmrüssler – und wie Sie Ihre Palmen schützen und erhalten können

Gibt es eine Möglichkeit, die Palmen an der Côte d’Azur zu retten? Anmerkungen zu Rhynchophorus und Paysandisia.


S Seit Jahren gibt es Berichte über die beiden Hauptschädlinge, die Mittelmeerpalmen so heftig zusetzen, die sogenannte Palmenmotte (Paysandisia archon) und den sogenannten roten Palmenrüsselkäfer (Rhynchophorus ferrugineus). Beide Insektenarten wurden von den verschiedensten Publikationen schon als „eingewanderte“, d. h. nicht endemische Schädlinge bezeichnet: Die Palmenmotte stammt aus Uruguay und Argentinien, während der Rote Palmrüsselkäfer die tropischen Regionen Asiens seine ursprüngliche Heimat nennt.

Leider ist es der Klimawandel, der uns nicht nur erlaubt exotische Arten am Mittelmeer zu pflanzen, sondern auch dazu beiträgt, dass sich exotische Pflanzenschädlinge verbreiten, die bisher unbekannt waren.

Es ist dringend notwendig, systematisch und dauerhaft gegen diese Palmschädlinge vorzugehen, denn es ist nicht nur sehr teuer, den alten toten Stamm einer Palme zu entsorgen. In einigen, einst prachtvoll bepflanzten Regionen an der Côte d’Azur, wurden bereits ganze Alleen zerstört: wer ein außergewöhnlich verheerendes Beispiel sucht, wird in Hyères einen traurigen Fund machen.

Ein großes Problem bei der Bekämpfung dieser beiden Schädlinge besteht in der hohen Anzahl an Zweitwohnungen und Ferienhäusern an der Côte d’Azur, wo im Herbst und Winter viele Gärten unbeobachtet bleiben, wenn die Larven beider Insekten an ihren Opfern einen besonders leichten Lauf haben.

Aus Gründen der Einfachheit beschränken wir uns nachfolgend auf die lateinischen Namen, um ihre genaue Identifizierung für die verschiedenen an der Riviera gesprochenen Sprachen zu erleichtern.

Welche Palmen werden von der Palmenmotte (paysandisia archon) geschädigt?
Butia yatay,
Chamaerops (alle Arten),
Phoenix (canariensis/dactylifera/reclinata),
Latania,
Livistona (chinensis/decipiens/saribus),
Sabal,
Syagrus (romanzoffiana/yatay),
Trachycarpus fortunei,
Trithrinax campestris,
Washingtonia (alle Arten und Kreuzungen, inklusive filifera – diese allerdings etwas seltener).

Welche Palmenarten werden vom Roten Palmrüssler (Rhynchophorus ferriguneus) geschädigt?
Areca catechu,
Arenga pinnata,
Borassus flabellifer,
Caryota (maxima/cumingii),
Cocos nucifera,
Corypha (gebanga/elata),
Elaeis guineensis,
Livistona decipiens,
Metroxylon sagu,
Oreodoxa regia,
Phoenix (canariensis/dactylifera/sylvestris),
Sabal umbraculifera,
Trachycarpus fortunei,
Washingtonia (alle Arten und Kreuzungen, inklusive filifera).

Die Arten, die vorwiegend an der Côte d’Azur gepflanzt wurden und werden, Chamaerops, Phoenix, Livistona, Trachycarpus und Washingtonia, werden von mindestens einem der beiden Schädlinge befallen. Da wir aus einer Reihe von Gründen nicht hoffen können, dass diese Schädlinge nicht oder zumindest nicht kurzfristig im Mittelmeerraum in Schach gehalten werden können, müssen wir die Frage aufwerfen, welche Art für Neuanpflanzungen ausgewählt werden sollte. Zweitens müssen sichere, effektive, kosteneffiziente und praktikable Lösungen zur Vermeidung und Verringerung der Verteilungsraten dieser Schädlinge gefunden werden.

Wie erkenne ich einen Befall?
Das Schädigungsmuster an befallenen Palmen ist bei beiden Insekten ziemlich ähnlich, obwohl ein Befall durch den Palmrüsselkäfer noch schneller zum Tod der Palme führt. Während im Fall der Palmenmotte nur die Larven die Blätter einer Palme zerstören, fressen auch der Palmrüssler selbst und nicht nur seine Larven Löcher in die Basis des Blattstiels.

Beide Schädlinge greifen den weichen (und einzigen) „Wachstumspunkt“ der Palme an, das sogenannte „apikale Meristem“ oder „Vegetationskegel“, direkt unter der Krone. Sobald dieser zerstört ist, kann die Palme, die sich hierin von den meisten anderen Pflanzen unterscheidet, nicht weiter wachsen, sie wird mit Sicherheit sterben. Aus diesem Grund ist eine schnelle und dauerhafte Behandlung aller Palmen notwendig.

Je älter und damit höher, je buschiger oder bewachsener (Chamaerops) und je bewaffneter mit Dornen (Phoenix) die spezifische Palme ist, desto arbeits- und kostenintensiver wird die Bekämpfung eines möglichen Befalls sein. Bräunlich umrissene kleine Löcher in herausgewachsenen Blättern weisen darauf hin, dass vor einiger Zeit ein Angriff stattgefunden haben muss, und dass die nächste Generation von Schädlingen wahrscheinlich bereits die Palme verlassen hat. Sehr feines, faseriges Material, das durch getrockneten Palmsaft verdickt ist und ein wenig wie dunkles Sägemehl aussieht, das mit Baumharz gemischt wurde, innerhalb und unterhalb der Krone und zwischen den alten abgeschnittenen Basen von Laubstielen entlang des Stammes der Palme, sind ein sicherer Indikator für einen massiven Befall. Horizontal stehende Blätter, die, nachdem sie zunächst gelblich geworden sind, gräulich werden und dann langsam mehr und mehr sinken werden, sind ein weiteres Zeichen für einen Befall, insbesondere bei der Phoenix-Palme.

Aufgrund des zunehmenden Ausmaßes des Problems erscheint es eigentlich ziemlich irrelevant, ob eine Palme bereits befallen ist oder nicht: Leider ist es nur eine Frage der Zeit, wann ein Angriff stattfinden wird, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass zu Beginn einer Infektion eine Palme in der Regel keine sichtbaren äußeren Zeichen des Befalls trägt. Eine systematische Prävention aller Palmen ist daher unerlässlich.

Wie können befallene Palmen behandelt werden und welche Präventionsmaßnahmen sind möglich?
In unseren Breitengraden haben weder der Rote Palmenrüssler noch die Palmenmotte natürliche Feinde. Die Eiablage beider Arten erfolgt meist im Spätsommer oder Frühherbst. Die Palmeenmotte ist eine ziemlich große und eigentlich recht anmutig dahinsegelnde Schmetterlingsart, ein schönes aber tückisches Bild zwischen September und November. Die fliegenden Weibchen des roten Palmrüsslers sind zugegebenermaßen so schnell und unauffällig, dass sie selten wahrgenommen werden. Leider sind die Larven auch „frosthart“, so dass sie während der Abwesenheit des Hausbesitzers besonders leichtes Spiel mit den Palmen haben.

Natürlich gibt es immer die theoretische Möglichkeit, Schädlinge wie diese mit Insektiziden und Mitteln wie Chlorpyrifos 48%, Dimethoat 40%, Phosmet 50%, Imidacloprid 20% oder Thiamethoxam 25% zu bekämpfen. Andere möglicherweise wirksame Insektizide sind in der EU aus sehr guten Gründen verboten. Alle genannten Insektizide sind extrem schädlich für Bienen und haben sehr negative Auswirkungen auf andere nützliche Kreaturen, auf das Vogelleben und das Grundwasser. Aber noch wichtiger ist, dass die Anwendung dieser Insektizide nicht gestoppt werden kann, also keine dauerhafte Wirkung hat. Folglich müsste sie als laufende Prävention durchgeführt werden, was sie auf lange Sicht einfach zu umweltgefährdend macht und – angesichts der Anzahl der Palmen auf öffentlichem und privatem Land – auch einfach zu teuer ist.

Für die Behandlung und Vorbeugung dieser Schädlinge empfehlen wir die Verwendung von Nematoden der „Steinernema carpocapsae“, die problemlos über das Internet bestellt werden können. Heruntergekühlt (2-6 ° C) sind sie etwa eine Woche als Pulver lagerfähig. Die weißlichen durchsichtigen Nematoden (aktive Phase: 0,1 mm) suchen nach den Schädlingen, dringen in sie durch deren Körperöffnung ein, breiten sich in ihnen aus und geben ein Bakterium ab, das den Rüsselkäfer oder die Palmenmotte in wenigen Tagen tötet.

Um eine erfolgreiche Behandlung zu gewährleisten, sollte die Temperatur von Boden und Luft mindestens bei 12 ° C liegen, ansonsten sind die Nematoden inaktiv. Im Winter sterben die Nematoden normalerweise ab. Daher müssen die Nematoden in der nächsten Saison wieder ausgebracht werden. Die behandelten Palmkronen sollten in den folgenden 6-8 Wochen nach einer Behandlung feucht gehalten werden, um eine dauerhafte Wirkung zu erzielen. Leider sind Nematoden empfindlich gegenüber Licht und ultravioletten Strahlen. Daher sollte die Behandlung in der Dämmerung oder bei leichter Bewölkung durchgeführt werden! Die ideale Temperatur für die effektivste Anwendung liegt bei 15 – 20 ° C.

Die Kosten betragen ca. 10, – bis 30, – EUR (30 bis 100 m2), abhängig von der bestellten Menge. Dies wird auf der anderen Seite für eine ziemlich hohe Anzahl von Palmen ausreichen. Hinzu kommen die notwendigen Arbeitsstunden für die Anwendung der Nematoden.

Aufgrund des Arbeitsaufwandes und aufgrund der Schwere des Problems empfehlen wir inzwischen, insbesondere bei höheren Palmen, die aus einer stehenden Position oder von einer kleinen Leiter aus nicht leicht zu behandeln sind, eine Sprühdüse mit Öffnung dauerhaft zu installieren, mit Löchern von mindestens ½ mm, die dann mit einem kleinen (Bewässerungs-) Rohr nach unten und entlang des Palmenstammes verbunden wird. Die kleine Düse muss nur hin und wieder nach Bedarf eingestellt werden, z. nach schweren Stürmen oder nachdem die Palme von Ihrem Gärtner gepflegt wurde. Vom unteren Ende des Rohres, das permanent an der jeweiligen Palme verbleibt, kann man dann die präparierte Nematodenlotion mit einer Handpumpe leicht in die Krone pumpen. Bewässern Sie die Krone reichlich mit der Nematoden-Lotion – und idealerweise monatlich oder alle zwei Monate. Bei kleineren Palmen, die leichter zu erreichen sind, können Sie einfach handelsübliche Drucksprühgeräte verwenden. Bitte achten Sie auf ausreichend breite Löcher in der Sprühdüse, damit die Nematoden sie passieren können (!), Und achten Sie bitte darauf, niemals das gleiche Sprühgerät zu verwenden, das Sie bereits für die Anwendung von Giften wie Insektiziden oder Herbiziden verwendet haben.

Eine weitere Möglichkeit, die Larven der beiden Schädlinge zu bekämpfen, liegt in der Anwendung der entomopathogenen Pilze „Metarhizium anisopliae“ oder „Beauveria bassiana“, die ihre umweltfreundliche Wirksamkeit auch bei anderen Insektenarten entfalten. Auch sie können bequem über das Internet bestellt werden.

Welche anderen Vorsichtsmaßnahmen helfen Ihnen, Ihre Palmen zu retten?
Bitte überprüfen Sie regelmäßig Ihre Palmen im Hinblick auf die oben genannten Schadensbilder und lassen Sie sie regelmäßig von einem qualifizierten Gärtner schälen, pflegen und pflegen. Eine Chamaerops humilis zum Beispiel, die nicht permanent gepflegt wird, wird innerhalb einer Saison überwachsen und buschig; sie wird sich zu einer wahren Brutstätte für beide Insektenarten entwickeln.

eLassen Sie frisch geschnittene Palmblätter nicht länger herumliegen. Wenn es keinen anderen Weg gibt, als sie für eine Weile auf Ihrem Grundstück zu belassen, wickeln Sie die Schnittenden in schwere Plastiktüten oder legen Sie die Abschnitte in ziemlich luftdichte Fässer, weil der Duft des Palmensaftes für beide Arten äußerst attraktiv ist und sogar aus großen Entfernungen von ihnen wahrgenommen wird.

Bitte weisen Sie Ihren Gärtner auch an, Ihr Grundstück niemals mit Palmschnitten aus anderen Gärten zu betreten, sondern vorher alle Palmenabschnitte zu entsorgen. Dies mag ein wenig alarmistisch klingen, aber in den meisten Fällen werden diese Schädlinge auf diese Weise sehr effektiv auf Grundstücke verteilt, die vorher nicht befallen waren.

Auch wenn immer mehr Baumzüchter und Botaniker die (auch u.E. richtige) Meinung teilen, dass bei Baumschnittarbeiten Wundschutzlotionen nicht mehr angewendet werden sollten und somit Schnittflächen offen und unverschlossen bleiben sollten, empfehlen wir dringend, auf diese ansonsten gute Praxis im Fall von Palmen nunmehr zu verzichten und wieder Schutzlotionen bei Palmen anzuwenden, um den Effekt der Anziehung der Insekten durch austretenden Baumsaft zu minimieren.